Wenn Furchtlose in Panik verfallen


Wie Furcht im Gehirn entsteht
Wenn Furchtlose in Panik verfallen

Furcht und Panik entstehen im Mandelkern des Gehirns. Doch auch andere Strukturen sind daran beteiligt, wie Forscher des Bonner Universitätsklinikums und der Universität Iowa herausfanden. Die Behandlung von Angststörungen profitiert möglicherweise von dieser Erkenntnis.
Angst als lebensrettende Schutzreaktion
Wenn Menschen Furcht oder Todesangst empfinden, werden im Gehirn die Mandelkerne (Amygdalae) aktiviert. Die Amygdalae sitzt in den Schläfenlappen, wo sie externe Impulse verarbeitet und entsprechende Körperreaktionen ein leitet: Die Herzfrequenz steigt, Angstschweiß bricht aus, der Körper macht sich zur Flucht bereit.

Wenn beide Amygdalae geschädigt sind, unterbleibt das Furchtempfinden, aber auch lebenswichtige Abwehrreaktionen – so die gängige Lehrmeinung. Doch neue Untersuchungen erschüttern diese als allgemeingültig betrachtete Erkenntnis.

Kohlendioxid löst Panikattacken aus
Die Forscher wählten drei Menschen aus, die an dem sehr seltenen Urbach-Wiethe-Syndrom litten. Die Erkrankung ist genetisch bedingt und führt zur Verkalkung der beiden Amygdalae. „Selbst wenn die Betroffenen eine Tarantel auf der Hand halten, empfinden sie keine Angst“, berichtet René Hurlemann, Erstautor der Studie. Über eine Maske führten die Wissenschaftler den drei Probanden sowie zwölf gesunden Kontrollpersonen hochdosiert Kohlendioxid zu. Die hohe Kohlendioxidkonzentration führte beim Einatmen dazu, dass die Testpersonen weniger Sauerstoff bekamen als normal. „Dieser Sauerstoffmangel wird über Signalketten an das Gehirn gemeldet und löst dann über Lufthunger und Atemnot eine Panikreaktion aus“, berichtet Hurlemann.

Mandelkern erscheint in neuem Licht
Die Forscher gingen anfangs davon aus, dass bei den Urbach-Wiethe-Patienten Panikattacken ausbleiben, weil ihre Angstzentren zerstört sind. Doch das Gegenteil war der Fall: Alle drei empfanden eine sehr starke Furcht. Dagegen kam es von den zwölf gesunden Kontrollpersonen nur bei dreien zu einer kohlendioxidbedingten Panik.

Offenbar reagieren Patienten mit komplett geschädigten Mandelkernen auf den Sauerstoffmangel besonders sensibel. „Wahrscheinlich ist die Amygdala nicht nur an der Entstehung von Angstreaktionen beteiligt, sondern kann umgekehrt auch eine Panik hemmen“, folgert der Forscher. Mit diesen Erkenntnissen erscheinen die Amygdalae einem neuen Licht: Bei dem Angstzentrum könnte es sich vielmehr um ein Art Angstkontrollzentrum handeln. Für die Behandlung von Angststörungen ist dies möglicherweise eine bahnbrechende Erkenntnis.

Herkunft der Angst erforschen

Wenn aber bei den Urbach-Wiethe-Patienten die Angst nicht in den geschädigten Amygdalae entsteht, wo befinden sich dann weitere Strukturen im Gehirn, die an der Entstehung von Paniken beteiligt sind? Auf diese Frage haben die Wissenschaftler noch keine Antwort. Dr. Hurlemann: „Hier sind noch detailliertere Untersuchungen erforderlich, die wir möglichst bald anpacken wollen.“

Apothekenverbund


Schölerberg-Apotheke
Iburger Str. 87
49082 Osnabrück
Telefon: 0541/50 51 90

Markt-Apotheke Nahne
Iburger Str. 229
49082 Osnabrück
Telefon: 0541/6 00 27 00

News

Alte Menschen oft falsch therapiert
Alte Menschen oft falsch therapiert

Zu wenig oder zu viele Medikamente

Eine aktuelle Gesundheitsstudie zeichnet ein alarmierendes Bild: Viele ältere Menschen in Deutschland erhalten Medikamente, die ihnen eher schaden als nutzen könnten – gleichzeitig bleibt eine notwendige Behandlung bei schweren Erkrankungen oft aus.   mehr

Übungen gegen chronische Schmerzen
Übungen gegen chronische Schmerzen

Achtsamkeit und Atmen

Viele Betroffene wissen: Chronische Schmerzen lassen sich selbst mit Medikamenten nicht immer vollständig kontrollieren. In solchen Situationen können Atemtechniken, Entspannungsverfahren und Achtsamkeitsübungen helfen, besser mit den Beschwerden umzugehen.   mehr

Wie Medikamente den Geschmack verändern
Wie Medikamente den Geschmack verändern

Von bitter bis metallisch

Ein funktionierender Geschmacksinn ist für viele Menschen ein entscheidendes Stück Lebensqualität. Schließlich ist Essen und Trinken nicht nur überlebensnotwendig, sondern auch eine Genussfrage. Was aber tun, wenn Medikamente das Geschmacksempfinden stören?   mehr

Kind nicht im Auto vergessen!
Kind nicht im Auto vergessen!

Vorsicht Hitzetod

Auch wenn es schnell gehen muss: Bei sommerlichen Temperaturen sollten Eltern ihre Kinder nicht im Auto warten lassen. Denn im Wageninneren steigen die Temperaturen oft schon nach 30 Minuten auf bis zu 40 Grad – und bringen gerade kleine Kinder in Lebensgefahr.   mehr

Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?
Wie sinnvoll ist die Zungenbändchen-OP?

Nicht vorschnell entscheiden

Klappt das Stillen nicht, steht schnell die Vermutung „verkürztes Zungenbändchen“ im Raum. Ein kurzer Eingriff soll das Problem beseitigen. Aber funktioniert das wirklich?   mehr

Alle Neuigkeiten anzeigen

Ratgeber Thema im Juni

Sicher feiern mit Diabetes

Sicher feiern mit Diabetes

Ob Badesee oder Festival

Grillpartys, Musikfestivals oder entspannte Nachmittage am Badesee gehören für viele Menschen zu den ... Zum Ratgeber
Töpfer-Apotheke
Inhaber Dr. Julius R. Herting
Telefon 0541-94 43 90
Fax 0541-94 43 919
E-Mail info@toepfer-apotheke.de